Ausbildung zum/zur Schornsteinfeger/in

in Schleswig-Holstein, Sachsen-Anhalt, Bremen oder Hannover

Katja Kronfeld (21 Jahre) kommt gerade ins 3. Lehrjahr und lernt bei einem Betrieb in Bremerhaven. Vor kurzer Zeit durfte sie mit einigen anderen Auszubildenden an einem Austausch teilnehmen und ein Praktikum in Österreich machen. Wir haben mit ihr über ihre Berufswahl, die Auslandserfahrung und ihre Liebe zum Beruf gesprochen.

Komm ins Team Schwarz:

Wie bist Du eigentlich dazu gekommen, den Beruf der Schornsteinfegerin zu erlernen?

Katja Kronfeld:

Das war eher Zufall. In einem Geschäft, in dem ich zuvor gearbeitet habe, kaufte oft die örtliche Schornsteinfegerin ein und wir sind ins Gespräch gekommen. Sie hat mir viel über ihren Beruf erzählt und damit mein Interesse geweckt. Nach einem Praktikum war dann schnell klar für mich, dass es der richtige Beruf ist und ich eine Ausbildung zur Schornsteinfegerin machen möchte.

Komm ins Team Schwarz:

Was liebst Du so an Deinem Beruf?

Katja Kronfeld:

Ganz klar natürlich die Aussicht. Hoch oben auf dem Dach zu stehen und über die Stadt zu gucken, die Weite, das ist toll. Und ich mag den Umgang mit den vielen verschiedenen Menschen, mit denen ich in Kontakt komme. Die meisten kennt man über die Zeit und es ist fast schon familiär, wenn man dort arbeitet. Viele grüßen mich auch auf der Straße oder winken mir zu. Auch heute verbinden uns die Menschen noch mit Glück, da kann es schon mal passieren, dass jemand einen anfassen möchte, um sich seine Portion Glück für den Tag zu holen.

Komm ins Team Schwarz:

Du hast vor kurzer Zeit ein Praktikum in Österreich absolviert während deiner Ausbildungszeit. Wie kam es dazu?

Katja Kronfeld:

Im 1. Lehrjahr kam ein Lehrer zu uns in die Berufsschulklasse und fragte, wer Interesse an einem Austausch hat. Ich habe mich, nachdem ich auch mit einigen Meisterschülern über ihre Erfahrungen gesprochen habe, dafür beworben. Insgesamt gab es sechs Plätze, drei für Frauen, drei für Männer. Bei den Männern entschied das Losverfahren, da sich mehr für die Plätze beworben hatten. Organisiert wurde der Austausch vom Landesinnungsverband Niedersachsen, der Schornsteinfegerschule Niedersachsen und der Handwerkskammer. Ich konnte einen der Plätze ergattern und nach der Zwischenprüfung im 2. Lehrjahr haben wir unser Praktikum für drei Wochen in Österreich angetreten.

Komm ins Team Schwarz:

Das klingt sehr spannend, erzähl uns mehr davon. Wie war es in Österreich?

Katja Kronfeld:

Ich habe mein Praktikum in Waidhofen, beim Betrieb von Peter Engelbrechtsmüller absolviert. Waidhofen ist eine Kleinstadt, aber dadurch, dass die Kehrbezirke in Österreich sehr groß sind, waren wir auch viel im ländlichen Bereich unterwegs. Das war für mich sehr interessant, weil ich so verschiedene Arten von Festbrennstoffkesseln kennen lernen durfte. Herr Engelbrechtsmüller hat acht Rauchfangkehrer – in Österreich heißen Schornsteinfeger Rauchfangkehrer/innen – beschäftigt und ich bin alle zwei Tage mit einem/einer anderen Kollegen/in mitgefahren. Gewohnt habe ich in einem Ferienhaus und uns wurde auch ein Auto gestellt, welches wir privat nutzen durften, um nach Feierabend die Umgebung zu erkunden. Toll war auch, dass sämtliche Kosten durch die Handwerkskammer übernommen worden sind und wir sogar ein Taschengeld bekommen haben.

Komm ins Team Schwarz:

Und wie wurdest Du von Deinen österreichischen Kollegen/innen aufgenommen?

Katja Kronfeld:

Sehr freundlich und jeder war hilfsbereit. Auch wurden wir privat zu Festen eingeladen oder abends zum Grillen in einer Anglerhütte. Diese Kollegialität hat mich sehr beeindruckt und wird im Schornsteinfegerhandwerk, sowohl in Österreich, als auch in Deutschland gelebt. Hier gilt auch das Motto des Schornsteinfegerhandwerks „Einer für alle und Alle für einen“. Dieser Zusammenhalt ist für mich einmalig, denn es hilft mir in meiner Ausbildung sehr. Wenn ich ein Problem habe oder nicht weiterkomme, dann kann ich jederzeit Kollegen/innen, auch aus anderen Bezirken, fragen und mir wird immer weiter geholfen, oder jemand kommt sogar vorbei und hilft mir. Auch Tipps & Tricks werden selbstlos weitergegeben oder Fachlektüre verliehen.

Komm ins Team Schwarz:

Was war anders an deiner Tätigkeit in Österreich?

Katja Kronfeld:

Es gibt in Österreich zum Teil andere Richtlinien für z.B. Messwerte oder Messintervalle. Gekehrt wird anders als bei uns mit einem Stoßbesen von 15 Metern Länge. Das ist schon ungewohnt und jetzt zurück in Deutschland kommt mir das Zusammenlegen von 3-5 Metern auf einmal kinderleicht vor (lacht). Rauchfangkehrer tragen eine weiße Mütze, auch das ist anders als bei uns und natürlich manche Begrifflichkeiten, an die man sich erst einmal gewöhnen muss. Z.B. heißt der Rauchrohrbesen dort Chimpely oder der Steigerschornsteinstein heißt Schlupfkamin.

Komm ins Team Schwarz:

Was hat Dir der Austausch persönlich gebracht? Und würdest Du es wieder machen?

Katja Kronfeld:

Zuerst einmal war es eine tolle und aufregende Erfahrung. Ich finde es wichtig über den Tellerrand zu schauen und auch den interkulturellen Austausch zu pflegen. Natürlich würde ich es jederzeit wieder machen. Die Berge waren toll, meist eine sehr schöne Aussicht auf dem Dach, aber ich bin Norddeutsche. Ich habe das Meer natürlich sehr vermisst und ziehe es den Bergen vor (lacht). Ich kann mir aber auch vorstellen vielleicht mal für eine Zeit im Ausland zu arbeiten.

Komm ins Team Schwarz:

Das klingt spannend. Was hast Du noch für Pläne für Deine Zukunft?

Katja Kronfeld:

Natürlich möchte ich erst einmal meine Ausbildung erfolgreich beenden. Danach würde ich gerne meinen Meister machen und als Gesellin arbeiten. Vielleicht später, wenn ich genug Erfahrung gesammelt habe, einen Kehrbezirk übernehmen. Und ich würde sehr gerne ausbilden. Das wäre mir wichtig. Das Schornsteinfegerhandwerk braucht dringend guten Nachwuchs und für mich ist es der beste Job der Welt. Das würde ich gerne Jugendlichen vermitteln und sie motivieren und unterstützen dabei.

Und ich würde sehr gerne mal zum internationalen Schornsteinfegertreffen nach Santa Maria Maggiore/Italien fahren. Das findet einmal jährlich statt und viele Kollegen/innen aus allen Ländern nehmen daran teil. In Österreich durfte ich an der Florianifeier, einer nahezu 100 jährigen Tradition, teilnehmen. Dort waren wir Schornsteinfeger alle im Wiener Dom zu einem Gottesdienst für den heiligen Florian, den Schutzpatron der Schornsteinfeger und der Feuerwehr. Anschließend sind wir gemeinsam mit der Feuerwehr durch die Wiener Neustadt gezogen und haben abends gesellig zusammen gesessen, gegessen und uns ausgetauscht.

Komm ins Team Schwarz:

Du sagst, es ist der beste Job der Welt. Warum ist er das für Dich und warum sollte jemand eine Ausbildung zum/zur Schornsteinfeger/in machen?

Katja Kronfeld:

Man kann in diesem Beruf mit Fleiß gutes Geld verdienen und es ist ein Beruf, der nicht ausstirbt. Er ist einem ständigen Wandel unterzogen und wir arbeiten immer mit der neuesten Technik. Natürlich muss man sich dafür auch stetig weiterbilden. Aber das macht großen Spaß, man kann sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln und Zusatzausbildungen machen, z.B. zum Brandmeister oder Energieberater. Es bieten sich einem viele Möglichkeiten zur Entfaltung, man kann je nach seinen Neigungen oder Interessen z.B. eher mehr Bürotätigkeiten machen oder sich auf handwerkliche Tätigkeiten, wie z.B. den Schornsteinbau spezialisieren. Und nach der Ausbildung hat man sehr gute Chancen, direkt eine Anstellung zu finden. Und auch seinen Meister zu machen. Später kann man sich dann selbstständig machen und einen Kehrbezirk übernehmen. Und erwähnt habe ich ja schon ein paar Mal die grandiose Aussicht vom Dach (lacht).

Komm ins Team Schwarz:

Und welche Voraussetzungen sollte man mitbringen Deiner Meinung nach?

Katja Kronfeld:

Schwindelfrei sollte man auf jeden Fall sein. Und motiviert. Und man sollte gut mit Menschen können und sich auch menschlich verhalten. Wir kommen mit so vielen unterschiedlichen Menschen in Berührung und für mich persönlich ist es selbstverständlich, dass ich z.B. einem älteren Menschen auch mal anbiete, zu helfen bei Kleinigkeiten, wie z.B. den Müll mit runter zu nehmen, mir auch mal Zeit nehme, einen Kaffee mit jemanden zu trinken, wenn ich es kann oder auch jemanden eine Freude zu machen, wie z.B. vor kurzem einer an Krebs erkrankten Frau, die gerne ein Selfie mit ihrer Schornsteinfegerin machen wollte. Kleine Freuden für Menschen, die ein wenig Glück und ein Lächeln gut gebrauchen können.

Komm ins Team Schwarz:

Katja, vielen Dank für dieses schöne Schlusswort und für das Interview. Wir wünschen Dir für Deinen weiteren Berufsweg viel Erfolg und immer viel Spaß an Deiner Tätigkeit.

© MEDIEN-HOF GmbH, Redakteurin Silke Krämer, © Bilder: Katja Kronfeld

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